Leserfrage: Ist es dreist, beim ersten Treffen getrennt zu bezahlen und ihr nichts auszugeben?

Frage:

Eine Frage zum ersten Date. Wie schaut es da mit dem Bezahlen aus? Habe von dir letztens die “manipulierst du sie”-Mail bekommen und frage mich seitdem, ob man sie auch zahlen lassen soll oder nicht.

Ich würde es aber dreist finden, weil man derjenige ist, der das Mädel eingeladen hat.

Antwort:

Beim Bezahlen oder nicht Bezahlen geht es nicht um’s Geld. Weder dir, noch dem Mädchen.

Worum es wirklich geht, ist die Botschaft, die du damit über eure sendest.

Die Grundregel ist:

Beziehungen sind nur gesund, wenn sie auf Austausch basieren.

Es ist okay, einer Frau etwas zu geben, wenn sie etwas Nettes für dich getan hat. Das hat nichts zu tun mit Geiz oder mit Kleinkariert-Sein. Es hat etwas damit zu tun, die Frau als gleichwertig zu respektieren.

Stell dir vor du bist Bill Gates. Du kannst locker ihren Eiskaffee mitbezahlen, ohne dass es irgendeinen Einfluss auf deine Lebensqualität hätte. Sie dagegen muss sich die 5 EUR vielleicht von ihrem Taschengeld absparen — und muss dafür vielleicht beim nächsten McDonald’s-Besuch mit ihren Freundinnen auf den McFlurry verzichten.

Wäre es in so einer Situation nicht angemessen, ihr den Kaffee mit zu bezahlen?

Ich finde nicht.

Die Botschaft, die du damit sendest wäre: “Du bist besser dran mit meiner Hilfe”.

Außerdem läufst du Gefahr, dass sie dein Verhalten noch auf eine andere Weise versteht. Nämlich als: “Ich will mich bedanken dafür, dass du dir die Zeit genommen hast dich mit mir zu treffen”.

Moment.

Was ist daran falsch, sich zu bedanken?

Falsch daran ist, dass sie, wenn sie sich mit dir trifft, doch nicht dir einen Gefallen tut! Sie trifft dich doch nicht, damit du etwas davon hast. Ihr habt beide etwas davon. Du bist neugierig auf sie, und sie ist neugierig auf dich.

Was ist fair daran, wenn nur du dich bedankst?

Der wahre Grund, warum Männer bezahlen wollen, hat nichts zu tun mit Fairness:

Sie glauben, die Frau würde ihnen einen Gefallen tun damit, dass sie zum Treffen erscheint. “Sie könnte in der Zeit so viele andere tolle Dinge machen als mit mir hier rumzusitzen — und deswegen möchte ich mich revanchieren” — so ungefähr denken Männer oft.

Der Grund ist:

Sie glauben, dass sie mehr Interesse an der Frau haben als die Frau an ihnen hat. Oder einfacher: Dass sie weniger wert sind als die Frau, und dass ihre Zeit weniger wert ist als die der Frau.

Natürlich sind diese Botschaften subtil. Gerade wenn es um eine kleine Rechnung geht, möchte man oft sagen, “ach komm, ist ja kein großes Ding”. Aber Vorsicht: Die Stimme, die dir das einflüstert, ist oftmals eben gerade nicht deine Vernunft oder deine Menschenliebe. Oftmals ist es der Teil von dir, der denkt, du hättest diese hübsche Frau nicht verdient und müsstest sie mit einem Dankeschön manipulieren, damit sie einen Grund hat dich wiederzusehen.

Bist du mit einer Frau zusammen, ist es okay, wenn du ab und an einfach mit bezahlst. Wenn sie dich gut behandelt in der , und gerade wenn die Rechnung klein ist, wäre es unnatürlich wenn du nicht die zwei Euro mitbezahlen würdest.

Die Regel sollte sein:

Bezahl für sie mit, wenn du an ihrer Stelle auch für einen Kumpel mitbezahlen würdest.

Mit Kumpels weißt du genau wann es okay ist und wann nicht:

Manchmal bietet es sich einfach an, dass du für ihn mitzahlst. Du tust das nicht, weil du etwas willst von ihm oder weil du ihn manipulieren willst — sondern du tust es, weil du weißt, dass er in ähnlichen Gelegenheiten das gleiche für dich tut.

Auf der anderen Seite aber würdest du nie auf die Idee kommen, bei jedem Treffen für deinen Kumpel zu bezahlen. Würde er das erwarten, würdest du dir ausgenutzt vorkommen — und zwar zu Recht.

Nur solange sich eure Gefallen in der insgesamt die Waage halten, ist euer Verhältnis ausgeglichen und gesund.

Und mit Frauen ist es nicht anders.

Klar kannst du versuchen, Erwartungen und Abhängigkeiten heranzuzüchten. Doch damit verdrängst du das Interesse, dass die Frau an dir selber hat durch das Interesse, dass sie an Geschenken und kostenlosen Getränken hat.

Viele Männer glauben nicht, was sie eigentlich anrichten, wenn sie etwas so “gut Gemeintes” tun.

Hier ist was Wissenschaftler rausgefunden haben in einem Experiment mit Kindern:

Sie haben den Kindern Buntstifte gegeben und malen lassen. Dann haben sie die Kinder in zwei Gruppen geteilt — Gruppe A und Gruppe B — und haben sie wieder malen lassen. Diesmal aber haben sie eine Belohnung eingeführt. Als “Dankeschön” dafür, dass sie so schön gemalt haben, wurden Gruppe A Bonbons versprochen. Die Wissenschaftler wollten sehen, welchen Effekt die Belohnung auf das Verhalten der Kinder hat. Die Belohnung wurde deshalb nur Gruppe A versprochen. Hinterher dann, im Anschlusstest, wurden dann beide Gruppen wieder zusammen malen gelassen. Ohne Versprechen für eine Belohnung. Das Ergebnis: Die Kinder aus Gruppe A hatten keine Lust zu malen, wenn sie nichts dafür bekommen. Sie hatten angefangen, eine Belohnung zu erwarten. Die Freude am Malen selber hatten sie verloren. Gemalt haben nur noch die Kinder aus Gruppe B — sie hatten nie eine Belohnung versprochen bekommen, und sie haben es einfach getan, weil ihnen das Malen selbst Spaß gemacht hat.

Kurz:

Wenn du jemandem regelmäßig einen Gefallen tust, baust du damit eine Erwartungshaltung auf für die Zukunft.

Der Andere wird sich über deinen Gefallen später nicht mehr freuen — er erwartet ihn einfach.

Und vor allem:

Er verliert auch die Freude an der Sache selbst, und er tut sie nur noch wegen der Belohnung.

Und das alles passiert ganz automatisch. Es hat nichts zu tun mit dem Charakter des Anderen oder damit, dass er eine manipulative Person wäre, die Andere gerne ausnutzt. Es ist einfach die Nebenwirkung von Belohnungen.

Deswegen gilt:

Wenn du einer Frau etwas ausgibst, darf es nie eine einseitige Belohnung sein. Jeder Gefallen, den du ihr tust, muss die Gegenleistung sein für etwas, das sie für dich getan hat.

Hast du eine längere mit einer Frau, kannst du gelegentliche Ausrutscher hier vielleicht noch korrigieren. Wenn du merkst, dass es in die falsche Richtung läuft, kannst du die Dinge dann unter Umständen noch geraderichten, bevor es zu spät ist.

Beim ersten Treffen aber ist es anders.

Das erste Treffen setzt den Maßstab für den Rest der .

Das erste Treffen mit einer Frau ist praktisch der “Trailer”, der ihre Erwartungen an dich für die Zukunft setzt. Bezahlst du hier aus “Nettigkeit” ihre Rechnung mit, stellst du damit leicht die Weichen in eine manipulative, ungesunde , in der du dir ihre Zuneigung regelmäßig neu “erkaufen” musst.

Meine Regeln fürs Bezahlen oder Nicht-Bezahlen sind deshalb:

  • Lade Sie zum ersten Treffen nie ein.
  • Beim ersten Treffen bezahlen beide getrennt.
  • Wenn sie kein Geld dabei hat, ist es ganz normal dass du es ihr auslegst und es sie auch tatsächlich zurückzahlen lässt.
  • Ausgeben kannst du ihr das erste Mal etwas, nachdem ihr miteinander geschlafen habt und nachdem sie etwas für dich getan hat.
  • Frauen, mit denen du nicht geschlafen hast, gibst du nur etwas aus, wenn sie etwas Nettes für dich getan hat und du nicht die Absicht hast, mit ihr zu schlafen. Wenn du hier mogelst, manipulierst du und machst es tatsächlich nur schwerer für dich.
  • Wer wem Gefallen tut und Sachen ausgibt muss über die insgesamt ausgeglichen sein. Bezahl ihr nie etwas, wenn du nicht auch einem Kumpel an ihrer Stelle etwas bezahlen würdest.

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2 Kommentare zu “Leserfrage: Ist es dreist, beim ersten Treffen getrennt zu bezahlen und ihr nichts auszugeben?”

  1. Naja schrieb am Februar 27th, 2010 um 15:38

    Hallo
    Ich will nur kurz deinen Beitrag kommentieren:
    Er hat mir sehr gut gefallen und ich hab vielem zugestimmt. Bis auf deine “checklist” am Schluss. Ganz ehrlich, du redest da wohl nicht von einer ernsthaften Beziehung, oder? Sex ist für dich also eine Gegenleistung zum Bezahlen? Das ist eine noch antiquiertere und schrecklichere Vorstellung als die, dass der Mann als Brötchenverdiener und zukünftiger Provider alles zahlt. Das kann ich in keinster Weise nachvollziehen. Eine glückliche Beziehung funktioniert meiner Meinung nach anderen Regeln und Maßstäben. Aber wie gesagt, meine Meinung ;)

  2. Dankeschön für deinen Kommentar.

    Sex als Gegenleistung fürs Bezahlen? Nein, so meine ich das eigentlich nicht. Aber du hast Recht — wenn man meine Checkliste liest, lässt sich das wirklich so missverstehen. Sorry dafür.

    Was ich meine ist:

    Bezahl nicht, um sie zu irgendwas zu manipulieren. Das heißt, bezahl nicht, um hinterher sagen zu können, “hey, ich hab schon so viel für dich ausgegeben, jetzt musst du im Gegenzug mich mögen/mich ranlassen/mit mir gehen”.

    Du kannst bezahlen, wenn ihr eine echte Beziehung habt. Eine Beziehung, wo sie dich genauso will wie du sie, und wo sie Dinge tut um DICH glücklich zu machen genauso wie du Dinge tust um SIE glücklich zu machen.

    Die Sache ist:

    Vor dem ersten gemeinsamen Sex ist die Verlockung für Männer einfach zu groß, Großzügigkeit als Mittel zu benutzen, um ein Mädel in “Pflichtgefühle” zu manipulieren. Es ist leicht, zu sagen, “ach komm, lass mich das machen”, und damit unterbewusst Erwartungsdruck aufzubauen, dass SIE den Gefallen “zurückzahlt”.

    Tatsächlich habe ich schon öfter von Männern Dinge gehört wie “ich hatte schon so viel Geld ausgegeben für sie… Zoo, Kino, Essen… dafür hätte sie ja wenigstens mal die Beine breit machen können” — das ist ziemlich extrem ausgedrückt, aber ich glaube, in abgeschwächter Form wird jeder Mann solche Gedanken in seinem Kopf entwickeln, wenn er erstmal zu weit auf diese Schiene geraten ist.

    Deshalb meine Daumenregel:

    Wenn ihr noch nicht miteinander geschlafen habt (= gemeinsam an einem entscheidenden Punkt in der Beziehung angekommen seid), dann brat ihr keine Extrawürste.

    (Oh, und natürlich sagst du auch nicht: “Ich bezahl gern deine Rechnung mit — aber erst, nachdem wir Sex gehabt haben”. :P Die Daumenregel ist nur für dich intern…)

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