Der Mythos Traumfrau
Sonntag, März 1st, 2009Den meisten Männern geht es nicht darum, ein Frauenheld zu werden.
Viele meiner Leser kommen zu mir, weil sie eine ganz bestimmte Frau für sich gewinnen möchte. Und der weit überwiegende Teil möchte nur seine Flirtfertigkeiten trainieren, um dann bereit zu sein, wenn ihm eines Tages die Traumfrau über den Weg läuft.
Für unerfahrene Männer ist “die Traumfrau” jedoch so etwas, wie “die richtige Gelegenheit”:
Man verbringt den größten Teil seines Lebens damit, auf sie zu warten.
Der Grund dafür ist einfach:
Viele von uns denken immernoch in festen Kategorien. Wir tun so, als gäbe es zwischen Mann und Frau nur “ein” oder “aus”. Entweder man ist “zusammen”, oder man ist es nicht. Entweder man ist “verliebt”, oder man ist es nicht.
Wir kleben diese Etiketten auf unsere Beziehungen, weil wir es überall so sehen. Unsere Eltern machen es uns so vor. In Zeitschriften und Ratgebern wird es uns so erzählt. Und in Filmen und Fernsehserien ist es schließlich auch nicht anders.
Doch wieviele Probleme machen wir uns damit?
Wenn man genau hinsieht, gehen die allermeisten Probleme mit Liebeskummer und die allermeisten Beziehungsprobleme auf dieses Schachteldenken zurück.
Nehmen wir das Beispiel Liebeskummer:
Liebeskummer entsteht, wenn wir uns einreden, wir seien in jemanden verliebt — und wenn dieser Jemand unsere Gefühle aber scheinbar nicht erwidert. Das Problem entsteht nur, weil wir unser Interesse gleich in Liebe umdeuten. Wir denken uns:
“Au weia. Ich merke, dass ich seit einiger Zeit besonders interessiert an diesem Mädel bin. Sie gefällt mir. Ich muss es mir wohl eingestehen: Ich bin über beide Ohren verliebt!!!”
Doch das ist natürlich Quatsch.
Nur weil man Interesse an einer Frau hat, nur weil sie einem gefällt und nur weil man vielleicht gerne mit ihr Zeit verbringen und die Dinge zum Knistern möchte, heißt das noch lange nicht, dass man diese Frau liebt.
Man ist einfach nur interessiert an ihr.
Der Unterschied ist gewaltig:
Wer “interessiert” ist, kann sich guten Gewissens nebenher auch noch anderweitig umschauen. Wenn ich an Lisa interessiert bin, kann ich mich nebenher auch noch mit Anna treffen und mit Franziska rumknutschen. Da ist nichts dabei.
Rede ich mir aber ein, dass ich “verliebt” bin, sieht die Sache gleich ganz anders aus. Dann ist sie nämlich die Einzige. Für meine Augen darf es dann nur noch diese eine Frau geben. Würde ich dann noch anderen Mädels hinterherschauen — das wäre pures Fremdgehen!
Bei Beziehungsproblemen ist es genauso. Auch hier liegt das Problem oft nicht in der Beziehung, sondern an dem Etikett, das wir voreilig draufgeklebt haben.
Weil wir glauben, man “müsse sich entscheiden” zwischen “zusammen sein” und “nicht zusammen sein”, machen wir aus jedem Abenteuer eine feste Beziehung — einfach, weil “man das eben so macht”. Was wir aber oft nicht sehen: Es gibt unterschiedliche Beziehungen.
Es gibt Hassbeziehungen. Es gibt Spielbeziehungen. Es gibt Sexbeziehungen. Es gibt Kumpelbeziehungen. Es gibt Kumpelbeziehungen mit Sex. Es gibt offene Beziehungen. Und, ja, es gibt natürlich auch feste, exklusive Beziehungen.
Wir tun oft so, als ob “Beziehung” = “exklusive Beziehung” wäre — ganz automatisch, ohne freie Entscheidung. Versteh mich nicht falsch: Natürlich haben exklusive Beziehungen ihren Platz. Aber ob man zu Gunsten einer Person auf alle anderen Beziehungen verzichten will oder nicht, diese Entscheidung muss man schon selber treffen. Und zwar, nachdem man sich gegenseitig “ausprobiert” und die Beziehung mit Beziehungen zu anderen Frauen vergleichen hat.
Wer das nicht tut, und sich einfach “hineinrutschen” lässt, wird früher oder später frustriert…
Und dann beginnt sie aufs Neue:
Die blinde Suche nach der Traumfrau.
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Tags: Beziehung, Exklusivität, Liebe, Traumfrau, Verliebtsein

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